Parallel encounters  ist eine Konzertserie, die aus der schubertiadischen Idee der musikalischen Terzverwandtschaft entstanden ist. Terzverwandte agieren als Agenten, Substitute des Grundtons - sie können »Parallele« (parallels) oder »Gegenklänge« (counter parallels) sein, Gleichgesinnte oder Gegenübergestellte. Disparate Werke und künstlerische Positionen treffen sich in der gleichen Grundtonart, folgen einem Algorithmus, der Tracks und Acts in eine Abfolge bringt, zu einer Playlist macht, die man noch nie gehört hat, aber schon einmal geträumt zu haben glaubt. Jedes Segment, jedes Stück ist eine Coda, ein Fake-Fortsatz, der leicht falsche musikalische Schwanz des Vorangegangenen. Was wäre, wenn das physiologische Konzept von Autotomie (»Selbst-Abschneidung«) ins Ästhetische übersetzt würde, Werke kurz vor Schluss ihre Endteile abwerfen müssten, um diese immer wieder neu aus sich herauswachsen zu lassen, als etwas ganz Anderes und ganz Ähnliches zugleich. Parallel encounters öffnet sich dieser nahtlosen, sanft kastrierten Musik auf Autoplay, macht sie zur kollektiven Wunschmusik, die wir durch unsere inneren Kopfhörer hören – Musik die einfach weiterspielt, selbst wenn wir nicht mehr da sind, uns schlafen legen und übermorgen wieder aufwachen.

 

 

 

Parallel encounters ist eine von Han-Gyeol Lie in Kooperation mit .akut – Verein für Ästhetik und angewandte Kultur kuratierte Konzertserie. Das erste Konzert fand Dezember 2019 im Tanzquatier Wien statt und war der Tänzerin Alix Eynaudi gewidmet.