©  Miriam Trilety
© Miriam Trilety

Worte ohne Lieder. Von der Sprachästhetik zur ästhetischen Theorie in Adornos musikalischen Schriften

11.-13. November.2021 | Universität für Musik und darstellende Kunst Wien 

Anton-von-Webern Platz 1, 1030 Wien

Organisation:

Gabriele Geml

(Institut für Philosophie Wien)

Wolfgang Fuhrmann

(Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig) 

Nikolaus Urbanek

(Universität für Musik und darstellende Kunst Wien)

Han-Gyeol Lie

(Kunstuniversität Graz)

 

Vortragende:

Tobias Albrecht

Max Beck und Nicholas Coomann

Maxi Berger

Thomas Dworschak

Lars Fischer

Julia Freund

Wolfgang Fuhrmann

Gabriele Geml

Pola Groß

Christian Grüny

Hans-Joachim Hinrichsen

Philip Hogh

Andreas Karl

Richard Klein

Han-Gyeol Lie

Cosima Linke

Karsten Mackensen

Claus-Steffen Mahnkopf

Nikolaus Urbanek

Elletra Villani

Boris Voigt

Violetta Waibel

Dean Whiteside

Sophie Zehetmayer

Veranstaltende und kooperierende Institutionen:

- Institut für Musikwissenschaft der Universität Leipzig

- Institut für Philosophie der Universität Wien

- Institut für Musikwissenschaft und Interpretationsforschung der mdw – Universität für Musik

und darstellende Kunst Wien

- Institut für Klavier und Institut für Komposition, Musiktheorie, Musikgeschichte und

Dirigieren der Kunstuniversität Graz

- .akut – Verein für Ästhetik und angewandte Kulturtheorie


»Es gibt kein richtiges Leben im falschen.« – »Bei vielen Menschen ist es bereits eine Unverschämtheit, wenn sie Ich sagen.« – »Aufgabe von Kunst heute ist es, Chaos in die Ordnung zu bringen.“ Solche pointierten Formulierungen, die sich beinahe als Slogans bezeichnen lassen, haben Theodor W. Adorno (1903–1969) auch bei denjenigen bekannt gemacht, die seine Schriften nicht gelesen haben, und oft werden sie in falscher Vereindeutigung für die komplexe gedankliche Bewegung seiner Texte substituiert. Adorno selbst erblickte seinen philosophischen Beitrag allerdings nicht so sehr in »Thesen oder Positionen«, als in dem dynamischen Sinnzusammenhang seiner Texte, die er mit Begriffen wie »Kraftfeld«, »Essay« oder »Komposition« belegte und deren Intention sich ihm mit der Idee der Autonomie verband.

Zweifelsohne lassen sich die in Adornos Schriften geltend gemachten theoretischen oder sozialkritischen Inhalte abstrakt referieren oder übersetzen – doch geht damit bisweilen ein Verlust an philosophischem Gehalt einher, denn kaum weniger zweifellos leben Adornos Texte nicht zuletzt von der Spannung, die von seiner mitunter hermetischen, zugleich aber oft unvermutet anschaulichen und von polemischem Witz immer wieder durchbrochenen Sprache ausgeht. Diese Sprache ist keineswegs nur – je nach Blickpunkt – literarischer »Stil« oder philosophischer »Jargon«. Die sprachliche Gestalt in ihrer eigentümlichen, sich der eingleisigen Argumentation oder übersichtlich gegliederten Struktur bewusst widersetzenden Form ist vielmehr integraler Bestandteil seiner philosophischen Denkbewegungen: keine bloße Form für Inhalte, die sich auch anders sagen ließen, sondern von konstitutiver Bedeutung für das Gedachte wie zu Bedenkende.

Die konstitutive Funktion der Sprache wird gerade auch in jenem Bereich seines Schreibens deutlich, der auf alle anderen ausgestrahlt hat, und dem Adorno die prägnant doppelsinnige Bezeichnung »Musikalische Schriften« gab; ähnlich, wie er in späteren Jahren von »Ästhetischer Theorie« sprach. In diesen Schriften gelang es Adorno, der seine schriftstellerische Tätigkeit als Musikkritiker begonnen und der darüber hinaus bei Alban Berg Komposition studiert hatte, nicht nur den Zwiespalt zwischen einer für viele unzugänglichen, aber exakten musiktheoretischen Terminologie und einer metaphorischen Umschreibung der expressiven und atmosphärischen Qualitäten von Musik produktiv auszuloten; er unternahm auch den bis heute kontroversiellen Versuch, in Musik gesellschaftliche Sinngehalte unter Rekurs auf die philosophische Kategorie der Wahrheit aufzudecken. Dabei erscheint die Konzeption eines »musikalischen Schreibens« doppelt bemerkenswert bei einem Autor, dessen Fragment über Musik und Sprache mit dem Satz schließt: Die Sprachähnlichkeit der Musik »erfüllt sich, indem sie von der Sprache sich entfernt.«

Die Tagung will sich – in einer Zeit, in der sich nach dem Wort von Werner Hamacher ein »anti- philologischer Affekt« unter den Geisteswissenschaften beobachten lässt – Aspekten der Sprache, des Stils und des Schreibens, insbesondere aber dem Verhältnis von sprachlich artikuliertem Gedanken und Musik bei Adorno widmen. Zum 50. Jahrestag des Erscheinens von Adornos Ästhetischer Theorie fragt die Tagung nach dem Verhältnis von philosophischer Sprache, die sich in der Bewusstheit ihrer Formung auch als ästhetisch geprägt verstehen lässt, und der sprachlichen Annäherung insbesondere ans musikalische Phänomen.

Der Titel der Tagung »Worte ohne Lieder« zitiert den ursprünglichen Titelvorschlag Adornos für jene Essay-Sammlungen, die schließlich – unter Wahrung des musikalischen Anklangs – als »Noten zur Literatur« erscheinen sollten.

 

 

Teil 1: Online-Diskussions-Workshop 14/15. Mai 2021 

Worte ohne Lieder. Von der Sprachästhetik zur ästhetischen Theorie in Adornos musikalischen Schriften.

  

Freitag, den 14. Mai 2021

 

09.45 - 10.00        

Begrüßung und Informationen zum Ablauf durch die Veranstalter

 

Moderation: Wolfgang Fuhrmann

10.00 - 11.30              

Thomas Dworschak: Zählen und Erzählen – Ausrichtungen des Sprachvermögens auf Musik

Referent: Christian Grüny

 

Michael Schwarz: Verbindlichkeit sachlicher Darstellung oder Herüberkommen. Zu den Vorträgen von Theodor W. Adorno

Referentin: Maxi Berger

 

Moderation: Gabriele Geml

12.00 - 13.30             

Tobias Albrecht: Der Essay als (philosophische) Haltung

Referent: Wolfgang Fuhrmann

 

Elettra Villani: Die Affinität der sprachlichen Komposition der ‚Ästhetischen Theorie‘ zur Musik

Referent: Lars Fischer

 

Moderation: Han-Gyeol Lie 

16.00 - 17.30              

Max Beck und Nicholas Coomann: Form, Inhalt, Ausdruck und Material. Adorno und die Sprache der Philosophie

Referent: Karsten Mackensen

 

Philipp Hogh: Adorno über musikalische Schrift und Raum

Referentin: Julia Freund

 

Moderation: Gabriele Geml

18.00 - 19.30              

Julia Freund: Zum Finalproblem in Adornos ‚Quasi una fantasia‘

Referent: Andreas Karl

 

Christian Grüny: Ideologisch gefährdete Zonen. Schlusssätze bei Adorno

Referentin: Sophie Zehetmayer

 

 

 

Samstag, 15. Mai 2021

 

Moderation: Wolfgang Fuhrmann

10.00 - 11.30              

Karsten Mackensen: Adornos Rede vom Gestischen: Auf dem Weg zu einer Theorie musikalischer Agency? 

Referent: Thomas Dworschak 

                                   

Lars Fischer: ‚Adorno is difficult to translate, fiercely so, but it is no use trying to do the job with a constant sense of abdication”. Von der Übersetzbarkeit Adornos

Referent: Claus-Steffen Mahnkopf

 

Moderation: Nikolaus Urbanek

12.00 - 13.30              

Sophie Zehetmayer: Von der (Un)Möglichkeit eines ‚sinnvollen Nebeneinanders der Gegensätze‘. Adornos sprachliche Spuren in Albrecht Wellmers Versuch über Musik und Sprache

Referentin: Gabriele Geml

 

Claus-Steffen Mahnkopf: Sprache und Musik

Referent: Nikolaus Urbanek

 

16.00 - 17.30             

Pola Groß: Mit Stil gegen Stil. Überlegungen zu einer Schlüsselkategorie bei Adorno

Referentin: Han-Gyeol Lie 

Organisatorische Anmerkung: Dieses Zeitfenster soll ebenfalls zur freien Diskussion sowie zur Präsentation noch nachgereichter Textbeiträge genutzt werden.

 

17:30 - 17:45              

Coda

Adorno im Fernsehgespräch mit Hans Otte / Radio Bremen, 18.3.1967 © Theodor W. Adorno Archiv (Signatur VA 22)

 

Theodor Wiesengrund Adorno

aus den Sechs Studien für Streichquartett [1920] 

 

Felix Mendelssohn Bartholdy

Lieder ohne Worte op. 62.1, Edwin Fischer